Licht



Eine blinde Klaviervirtuosin beginnt beim Aufenthalt in der Kurklinik eines umstrittenen Arztes erste Bilder wahrzunehmen. Anspruchsvolles, perfekt ausgestattetes Kostümdrama, das vom Erwachsenwerden einer jungen Frau erzählt und gleichzeitig etwas über Klassenschranken in einer höfischen Gesellschaft zu sagen hat.

Wien 1777. Die 18-jährige Maria Theresia Paradis, kurz Resi genannt, ist blind, seit ihrer Kindheit schon. Und trotzdem spielt sie Klavier wie keine Zweite. Ein Wunderkind, und darum geben ihre Eltern in der feinen Wiener Gesellschaft gerne mit ihr an. Oft muss sie vorspielen, nicht immer zur Zufriedenheit der Eltern, die stets einen Grund zur Mäkelei finden. Im auf Äußerlichkeiten bedachten Zeitalter des Rokoko fürchten sie um ihr Ansehen, ihren Status und ihren Wohlstand. Um nach vielen vergeblichen Behandlungen vielleicht doch ihr Augenlicht wiederzuerlangen, geht Resi für einige Monate in die Kurklinik des Arztes Franz Anton Mesmer. Der scheint zunächst ein wahrer Scharlatan zu sein: Mit Handauflegen und magnetischen Schwingungen rückt er der jungen Frau zuleibe. Und doch gewinnt er ihr Vertrauen. Resi genießt im Kreise wundersamer Patienten und in der Freundschaft zum Stubenmädchen Agnes zum ersten Mal so etwas wie Freiheit. Und dann beginnt sie zur Überraschung aller vage Bilder wahrzunehmen...

Maria Theresia Paradis (1759-1824) war eine Zeitgenossin von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart. Der Abspann informiert uns darüber, dass sie von 1783 bis 1786 auf Europatournee ging und auch als Komponistin von sich reden machte. Die österreichische Regisseurin Barbara Albert, 1999 bekannt geworden mit „Nordrand“ und zuletzt 2012 mit „Die Lebenden“ in den Kinos, und ihre Drehbuchautorin Kathrin Resetarits haben sich nun, basierend auf einem 2010 erschienenen Roman ganz auf den Aufenthalt der jungen Frau in Dr. Mesmers Klinik konzentriert. Dabei funktioniert der Film auf mehreren Ebenen. Zum einen ist er ein Historiendrama, das mit perfektem Set- und Kostümdesign in ein Zeitalter entführt, in dem es noch große Klassenunterschiede gibt und nur der gesellschaftliche Erfolg zählt. Zum anderen ist „Licht“ die Geschichte des Erwachsenwerdens einer jungen Frau, die sich, ungern zunächst, von ihrem Elternhaus löst und auf eigenen Füßen steht. Und dann geht es in „Licht“ – wie auch im Kino – ums Sehen und ums Hören, um Bilder und Töne, und wie sich beides gegenseitig bedingt. „Wer nicht sehen kann, der wird auch nicht gesehen – und wer nicht gesehen wird, der wird auch nicht gehört“, heißt es an einer Stelle, Resis Dilemma umschreibend. Und Maria Dragus macht den Konflikt ihrer Hauptfigur, zwischen den Erwartungen anderer und Selbstverwirklichung, zwischen Dunkelheit und Welt-Wahrnehmung, bravourös deutlich.


Deutschland / Österreich 2017
Regie: Barbara Albert
Darsteller: Maria Dragus, Devid Striesow, Lukas Miko, Katja Kolm, Maresi Riegner
97 Minuten
ab 6 Jahren

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