2001 und Kubrick waren gestern, die Zukunft im All ist heute. Kurzweilig, intelligent und mit Bodenhaftung räsoniert Christian Frei über den Weltraumtourismus.
Die kasachische Steppe. Knatternde Hubschrauber. An einem riesigen Fallschirm stürzt eine Raumkapsel dem Boden entgegen. Ein Knall. Eine Staubwolke. Das Raumschiff ist gelandet. Zwei Männer und eine Frau werden aus der Kapsel gehievt. Kein Spielfilm, sondern dokumentarische Aufnahmen. Die Frau heißt Anousheh Ansari, stammt aus dem Iran, lebt in den USA, ist Milliardärin und hat sich für 20 Millionen US-Dollar einen Kindheitstraum erfüllt. Als Weltraumtouristin durfte sie zehn Tage lang die Internationalen Raumstation ISS besuchen. Der Auftakt zu "Space Tourists" von Christian Frei.
Dann ist da noch der Norweger Jonas Bendiksen, ein Magnum-Fotograf. Seit Jahren bereist er die ehemalige UdSSR. Stets auf der Suche nach Spuren der stolzen sowjetischen Weltraumvergangenheit. Das bröckelnde Monument mit dem Mig-Kampfjet, der eine Sojus-Rakete umkreist, lichtet er ab, streift durch den großteils verwaisten Weltraumbahnhof Baikonur, von dem aus Ansari ihren Weltraumflug startete. Er fotografiert auch die Raketenschrottsammler, die mit ihren Armeelastwagen "Mad Max"-gleich über Land rasen, "Rüben", sprich ausgebrannte Raketenstufen, einsammeln, auseinander schweißen und als Altmetall verkaufen - und Einzelteile auch mal als Kochtopf "missbrauchen".
Der Schweizer Frei, bekannt durch Dokumentationen wie "War Photographer" (2001) nähert sich dem Phänomen Raumfahrt aus unterschiedlichen Perspektiven. Was will der Mensch im All? Was hat Raumfahrt der Menschheit gebracht? Was darf sie kosten? Ist sie Fluch oder Segen? Packend, oft majestätisch schön sind die Bilder, enthüllend, manchmal entwaffnend komisch die Off-Kommentare.
Begleitet wird der schwebende Trip von Musik des Jazz-Saxophonisten Jan Garbarek und des russischen Komponisten Edward Artemyev, der unter anderem den Soundtrack des Weltraumklassikers "Solaris" verantwortete.
Schweiz 2009
Regie: Christian Frei
Darsteller: Anousheh Ansari, Jonas Bendiksen, Dumitru Popescu
Musik: Jan Garbarek, Edward Artemiew, Steve Reich
Länge: 98 Minuten