Mahler auf der Couch (In digitaler High-End-Projektion)

In ihrer ersten Vater-Sohn-Regie erzählen Percy und Felix Adlon humorvoll von der Begegnung zwischen Komponist Gustav Mahler und Psychoanalytiker Sigmund Freud.
"Dass es geschah, ist verbürgt. Wie es geschehen ist, haben wir erfunden". Und was das neue Regieduo Percy und Felix Adlon da erfindet, ist ein Melodram mit Witz und Weisheit, weil die beiden klugen Männer Mahler und Freud sich auch in geistigen Wortgefechten messen, in denen Mahler meistens den kürzeren zieht.
Das Musikgenie leidet unter der Untreue seiner Gattin Alma, die das vermeintliche Glück durch ihre leidenschaftliche Beziehung zum späteren Bauhaus-Gründer Walter Gropius zerstört und reist im Sommer 1910 ins holländische Leiden, um sich beim Seelendoktor das Leid von der Seele zu reden. Doch statt Trost zu spenden, bohrt Freud in der Wunde und zwingt den Freund zur Konfrontation mit unbequemen Wahrheiten. Mahler war schon 41 als er die 22-jährige lebenslustige und künstlerisch ambitionierte Alma Schindler (verführerisch und in sich zerrissen: Barbara Romaner) heiratet. Sie ist umschwärmtes Objekt der Begierde in der Wiener Gesellschaft der Secession, die als Mahlers Muse und Ehefrau ihre eigene Karriere der seinen unterordnet, bis sie den jungen Gropius trifft. Dass ausgerechnet dessen erotischer Brief an die Geliebte versehentlich an den Ehemann adressiert ist und ihn vor Eifersucht rasen lässt, kann als freudsche Fehlleistung par excellence gelten.
Kindheitserinnerungen, Traumsequenzen, Rückblenden auf die Beziehung und quälende Wirklichkeit wechseln sich ab, aus neu zusammengesetzten Bildern der zurückliegenden Zeit entwickelt sich die Geschichte eines Ehekonflikts, der nicht einen Moment antiquiert wirkt, sondern auch 100 Jahre später so oder ähnlich passieren könnte und die Frage nach Selbstaufgabe und Selbstbestimmung stellt.
Manchmal driftet die Handlung durch visuelle Spielereien ins Irrationale ab, was durch quasi "dokumentarische" Statements anderer Zeitgenossen und Familienangehörigen in die Kamera gebrochen wird und den Zuschauer durch die direkte Ansprache zum Komplizen macht und auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Mit sanfter Ironie und amüsanten Bonmots führen die Adlons durch Männer- und Frauenpsyche, bewahren trotz aller Schwere eine schwungvolle Leichtigkeit. Nicht fehlen darf die Musik wie das Adagietto von Mahlers 5. Sinfonie und das "Ruhevoll" aus der 4. Sinfonie, die Klangfülle des ersten Satz aus der 10. Sinfonie trägt die Dramatik und Tragik dieses Ehedilemmas schon in sich.

Deutschland / Österreich 2010
Regie: Percy Adlon, Felix O. Adlon
Darsteller: Johannes Silberschneider, Barbara Romaner, Karl Markovics
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 12

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Spielzeiten:

Donnerstag 09.09.10:16.45 Uhr
Samstag 11.09.10:12.30 Uhr